NICHT SEHEN

Wie konnten Methoden der Heilung und Therapie jahrzehntelang zum Missbrauch an Kindern und Jugendlichen genutzt werden? In Kärnten lautete die Antwort: durch Ignoranz, Gleichgültigkeit und institutionalisiertes Wegsehen …

Auch 20 Jahre nach der Verurteilung des Kinderarztes und Heilpädagogen Franz Wurst wegen Beteiligung am Mord an seiner Ehefrau sowie sexueller Gewalt gegen zahlreiche Kinder und Jugendliche an öffentlichen Einrichtungen bleibt die jahrzehntelange institutionelle Gewalt eine offene Wunde in Kärnten. Die Veröffentlichung dieses Falles markierte erst den Beginn einer langjährigen gesellschaftlichen Aufarbeitung und die Thematisierung von sogenannten »totalen Institutionen«. Wie konnte Gewalt in einem so großen Ausmaß hinter den Mauern unsichtbar bleiben?

Das Sichtbare und das Unsichtbare sowie die Möglichkeit, davon zu erzählen, stehen im Mittelpunkt von Noam Brusilovskys dokumentarischer Inszenierung, in der Schauspieler*innen, Einwohner*innen der Stadt und Jugendliche aus dem Theaterspielclub des Stadttheaters mitwirken. In einer inszenierten »Führung« durch die Stadt werden die Orte der Geschehnisse und ihre Geschichte auf der Bühne einer erneuten Betrachtung unterzogen. Anhand von heilpädagogischer Forschungsliteratur, Berichten der Opfer und Stimmen aus der Stadt werden die geschlossenen Strukturen der Institutionen auf der Bühne aufgebrochen und die unterschiedlichen Erzählungen akustisch-visuell miteinander verwoben. So entsteht ein Spiel zwischen dem, was zu sehen und was zu hören ist – zwischen dem, was man zu wissen glaubt und dem, was man nur ahnen kann.
Der junge israelische Regisseur Noam Brusilovsky stellt sich mit dieser Arbeit über ein Kärntner Trauma in Klagenfurt vor.


KOMPOSITION, SOUND

PREMIERE 07.04.202

weitere Aufführungen:

20.04.2022
22.02.2022
30.04.2022
11.05.2022
13.05.2022
17.05.2022
19.05.2022

 

Regie: Noam Brusilovsky

Stadttheater Klagenfurt (AT)

Mit Petra Morzé, Axel Sichrovsky u.a.
Spieler*innen des Theaterspielclubs

Bühne und Kostüm: 
Magdalena Emmerig
Video: Tin Wilke
Dramaturgie: 
Lotta Beckers
Dramaturgische Beratung: Hans Mrak
Wissenschaftliche Beratung: Ulrike Loch, Astrid Liebhauser
Theaterpädagogische Begleitung: Mag. Katharina Schmölzer